Um gleich zu Beginn für Klarheit im Bezeichnungswirrwar zu sorgen: Der Tomorr (albanisch Tomorri oder Mali i Tomorrit) ist ein Bergmassiv im südlichen Albanien, das sich über zirka fünfzig Kilometer von Süden nach Norden zieht. Seine beiden Hauptgipfel sind 2.415 m und 2.402 m hoch. Der lange Grat zwischen den beiden Gipfeln lässt den Tomorr wie ein riesiges Boot erscheinen. Etwa 4.000 Hektar rund um den Berg stehen als Nationalpark Tomorr unter Naturschutz (albanisch Parku Kombëtar Mali e Tomorrit). Ein Mali ist ein Berg, ein Maja eine Bergspitze. Alles geklärt? Dann nichts wie auf zu einer Offroad-Tour durch den Nationalpark Tomorr. Startpunkt ist der Ort Pronovik, etwa vier Kilometer südlich von Poliçan. Eine breite, harmlose Schotterpiste windet sich in zahlreichen Kurven bergauf, um auf knapp 1.500 Meter Höhe einen kleinen Pass zu erreichen. Dort zweigt ein befahrbarer Weg links hinauf zur Bektashi-Teqe ab, einer kleinen Moschee der Bektashi-Bruderschaft. Dieser Orden ist Mitglied der Sufi-Glaubensgemeinschaft, die innerhalb des Islam den mystischen Traditionen folgt und auf Askese sowie Armut setzt. Die mittelschwere Auffahrt lohnt sich: In über 2.400 Meter Höhe bietet sich ein traumafter Blick über das komplette Tomorr-Massiv. Zurück am Pass, folgt die Route der Schotterpiste bergab, quert einige grobe Rinnen und läuft in den Wanderort Gjerbës ein. Hier lohnt die Pause in einem der gemütlichen Cafés. Aus Gjerbës heraus gewinnt die Piste in schönen Serpentinen wieder an Höhe. Anschließend durchquert sie ein großes Waldgebiet, um zum Schluss erneut in Serpentinen nach Çorovodë im Tal des Flusses Osum hinabzuwedeln.